Bergsturz von Wildalpen: Unterschied zwischen den Versionen

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Südlich von [[Wildalpen]] ereignete sich vor ca. 5900 bis 5700 Jahren ein riesiger Bergsturz. Den Anstoß für die geologischen Untersuchungen in diesem Gebiet gaben mehrere Funde von Baumfragmenten, die in der Bergsturzmasse eingeschlossen waren und durch Erosion freigelegt wurden. Der aktuellste Fund war im Jahr 2008. Es handelte sich um eine Tanne, die mittels Dendrochronologie<ref name="dendrochronologie">ist eine Datierungsmethode, bei der die Jahresringe von Bäumen anhand ihrer unterschiedlichen Breite einer bestimmten, bekannten Wachstumszeit zugeordnet werden</ref> datiert wurde. Das Ergebnis war ein Absterben des Baumes und somit ein Bergsturzereignis im Herbst/Winter zwischen 5900 und 5700 vor heute.  
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'''Bergsturz von Wildalpen''' - im südlichen Gemeindegebiet von [[Wildalpen]] ereignete sich im Zeitraum zwischen 5&nbsp;900 bis 5&nbsp;700 Jahren ein riesiger [[Bergsturz]].  
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Den Anstoß für die geologischen Untersuchungen in diesem Gebiet gaben mehrere Funde von Baumfragmenten, die in der Bergsturzmasse eingeschlossen waren und durch Erosion freigelegt wurden. Der aktuellste Fund war im Jahr 2008. Es handelte sich um eine [[Tanne]], die mittels Dendrochronologie<ref name="dendrochronologie">ist eine Datierungsmethode, bei der die Jahresringe von Bäumen anhand ihrer unterschiedlichen Breite einer bestimmten, bekannten Wachstumszeit zugeordnet werden</ref> datiert wurde. Das Ergebnis war ein Absterben des Baumes und somit ein Bergsturzereignis im Herbst/Winter zwischen 5&nbsp;900 und 5&nbsp;700 vor heute.  
  
 
== Geologie ==
 
== Geologie ==
Geologische Kartierungen ergaben, dass die Abbruchkante im Bereich des Bergkamms zwischen [[Ebenstein]], [[Schafhalssattel]] und [[Brandstein]] lag. Hier löste sich, vermutlich durch ein Erdbeben entfacht, der Gesteinsverband zwischen den [[Kalk]]- und [[Dolomit]]-Gesteinen, glitt in Form eines Bergsturzes in Richtung Norden ab und verschüttete ein Gebiet von ca. 16 km<sup>2</sup> Größe. Im Detail wird die Bergsturzmasse, von der Abbruchkante weg bis zu den entferntesten Ausläufern, in Gleitschollen, Riesenblöcke, Grobschutt und Sturzstromablagerungen unterteilt. Die distalsten<ref name="distalst">am weitesten vom Ursprungsort entfernt</ref> Ablagerungen sind in der Ortschaft Fachwerk, im Salzatal östlich von Wildalpen, zu finden.  
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Geologische Kartierungen ergaben, dass die Abbruchkante im Bereich des Bergkamms zwischen [[Ebenstein]], [[Schafhalssattel]] und [[Brandstein]] lag. Hier löste sich, vermutlich durch ein [[Erdbeben]] entfacht, der Gesteinsverband zwischen den [[Kalk]]- und [[Dolomit]]-[[Gestein]]en. Sie glitten in Form eines Bergsturzes in Richtung Norden ab und verschütteten ein Gebiet von ca. 16 km² Größe. Im Detail wird die Bergsturzmasse, von der Abbruchkante weg bis zu den entferntesten Ausläufern, in Gleitschollen, Riesenblöcke, Grobschutt und Sturzstromablagerungen unterteilt. Die distalsten<ref name="distalst">am weitesten vom Ursprungsort entfernt</ref> Ablagerungen sind in der Ortschaft Fachwerk, im [[Salzatal]] östlich von Wildalpen, zu finden.  
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== Quellen ==
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* Kellerer-Pirklbauer, A. et al. (2009): ''Der Bergsturz von Wildalpen (Hochschwab, Steiermark): Neue dendrochronologische Ergebnisse eines Baumfragments aus der Bergsturzablagerung.'' – Mitt. d. naturwiss. Vereins für Stmk., Bd. 139: 57-65
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* Van Husen, D. & Fritsch, A. (2007): ''Der Bergsturz von Wildalpen (Steiermark)''. – Jb. Geol. B.-A., Bd. 147/1+2: 201-213
  
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==== Einzelnachweise ====
 
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* [[Universalmuseum Joanneum Schloss Trautenfels]], [[Benutzer:BirgitStrohmaier|Birgit Strohmaier]]
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* Sonderausstellung [[Landschaft ist Bewegung]] im [[Universalmuseum Joanneum Schloss Trautenfels]]
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[[Kategorie:Wissenschaft]]
* Kellerer-Pirklbauer, A. et al. (2009): Der Bergsturz von Wildalpen (Hochschwab, Steiermark): Neue dendrochronologische Ergebnisse eines Baumfragments aus der Bergsturzablagerung. – Mitt. d. naturwiss. Vereins für Stmk., Bd. 139: 57-65
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[[Kategorie:Wildalpen|Bergsturz]]

Aktuelle Version vom 30. Mai 2020, 00:06 Uhr

Blick auf das Abbruchgebiet, die heute noch gut sichtbare Gleitfläche und die Gleitschollen
Karte vom Bergsturzgebiet mit Unterscheidung der unterschiedlichen Bereiche

Bergsturz von Wildalpen - im südlichen Gemeindegebiet von Wildalpen ereignete sich im Zeitraum zwischen 5 900 bis 5 700 Jahren ein riesiger Bergsturz.

Allgemeines

Den Anstoß für die geologischen Untersuchungen in diesem Gebiet gaben mehrere Funde von Baumfragmenten, die in der Bergsturzmasse eingeschlossen waren und durch Erosion freigelegt wurden. Der aktuellste Fund war im Jahr 2008. Es handelte sich um eine Tanne, die mittels Dendrochronologie[1] datiert wurde. Das Ergebnis war ein Absterben des Baumes und somit ein Bergsturzereignis im Herbst/Winter zwischen 5 900 und 5 700 vor heute.

Geologie

Geologische Kartierungen ergaben, dass die Abbruchkante im Bereich des Bergkamms zwischen Ebenstein, Schafhalssattel und Brandstein lag. Hier löste sich, vermutlich durch ein Erdbeben entfacht, der Gesteinsverband zwischen den Kalk- und Dolomit-Gesteinen. Sie glitten in Form eines Bergsturzes in Richtung Norden ab und verschütteten ein Gebiet von ca. 16 km² Größe. Im Detail wird die Bergsturzmasse, von der Abbruchkante weg bis zu den entferntesten Ausläufern, in Gleitschollen, Riesenblöcke, Grobschutt und Sturzstromablagerungen unterteilt. Die distalsten[2] Ablagerungen sind in der Ortschaft Fachwerk, im Salzatal östlich von Wildalpen, zu finden.

Verweis

Das Schloss Trautenfels (Universalmuseum Joanneum) präsentiert von 19.03. – 31.10.2016 die Sonderausstellung Landschaft ist Bewegung, in der unter anderem auch dieser Bergsturz thematisiert ist.

Quellen

  • Kellerer-Pirklbauer, A. et al. (2009): Der Bergsturz von Wildalpen (Hochschwab, Steiermark): Neue dendrochronologische Ergebnisse eines Baumfragments aus der Bergsturzablagerung. – Mitt. d. naturwiss. Vereins für Stmk., Bd. 139: 57-65
  • Van Husen, D. & Fritsch, A. (2007): Der Bergsturz von Wildalpen (Steiermark). – Jb. Geol. B.-A., Bd. 147/1+2: 201-213

Einzelnachweise

  1. ist eine Datierungsmethode, bei der die Jahresringe von Bäumen anhand ihrer unterschiedlichen Breite einer bestimmten, bekannten Wachstumszeit zugeordnet werden
  2. am weitesten vom Ursprungsort entfernt