Viktoria Bachler

Aus EnnstalWiki
Version vom 2. Januar 2024, 14:23 Uhr von Peter Krackowizer (Diskussion | Beiträge) (Textersetzung - „„“ durch „"“)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Viktoria Bachler, vulgo Kitzwampi Viktl (* 1885; † 1959) war ein Rohrmooser Original des letzten Jahrhunderts.

Leben

Sie war mit dem bekannten Hochzeitsfotografen Anton Bachler, vulgo Kolbl Toni , verheiratet. Zeitzeugen bezeichneten sie als hübsch und sonderbar.

Der Kolbl Toni im Butterfass

Eine der berühmtesten Episoden mit der Kitzwampi Viktl ereignete sich kurz nach dem Almauftrieb. Normalerweise blieb sie den ganzen Sommer über mit ihren Geißen auf der Alm und kehrte erst im Herbst wieder ins Tal zurück. Doch eines Sommers kam sie schon nach drei Tage wieder nach Untertal gestürmt und die Leute staunten nicht schlecht. Sie war schweißüberströmt, ganz außer sich und vor allem – ohne ihre Geißen! Es war ein heißer Tag und der Wind fegte durch das Untertal. Sie rief außer Atem "Eine Ahnung hat mich vom Berg heruntergetrieben. Mein Mann ist tot. Mein Mann ist tot!" und stürmte in ihr Haus.

Dort fand sie ihren Toni, doch er lebte. Jedoch befand er sich in misslicher Lage. Er habe baden wollen, dabei sei er aber mit dem Gesäß voraus ins Butterfass gefallen. Aus dem Trog ragten lediglich die Arme und Beine hervor. Der Rest des Kolbl Toni steckte im Butterfass. Verzweifelt hatte er drei Tage lang mit seiner Lage gekämpft, um sich zu befreien, doch vergebens. Nach und nach hatten ihn seine Kräfte verlassen.

Wie die Ärzte im alten Schladminger Krankenhaus später feststellten, hatte der Toni gerade noch mal Glück gehabt. Nicht nur sein Leben, sondern auch das bereits blau angelaufene Bein des Mannes konnten die Ärzte gerade noch retten.

Lebensretterin

Der ehemalige Schladminger Vizebürgermeister Toni Streicher erinnerte sich ebenfalls an eine Episode mit Kitzwampi Viktl. Zwei Skitourengeher waren von der Schladminger Hütte aus unterwegs, als sie in einen Schneesturm gerieten. Die Kitzwampi Viktl fand die beiden und brachte sie mit Urin-Umschlägen ihres eigenen Urins wieder zur normalen Körpertemperatur.

Wie sie zu ihrem Spitzname kam

Die eher unorthodoxe Frau war neben ihren Geschichten auch bekannt für ihre Küche. Viele kamen zu ihr und kauften meist Ziegenmilch. Reinbard Keinprecht erinnert sich, dass er sie oft nach der Schule besuchte, um Geschichten von ihr zu hören. Dabei wurde sie nicht müde, folgende Geschichte immer und immer wieder zu erzählen: die Geschichte, wie sie zu ihrem Spitznamen gekommen war: Kitzwampi Viktl.

Diesen Spitznamen hatte sie einer alten Gewohnheit zu verdanken Die Bauern hatten früher die uralte, überlieferte Gewohnheit, einen Gast zum Abschluss seines Besuchs am Hof in den Stall zu führen. Viktoria Bachler hingegen zeigte ganz gern den Inhalt ihres Kleiderkastens.

In diesem befand sich nämlich ihr größter Schatz auf: Zwar besaß sie keine feine Kammertücher, dafür aber grobe "Rupfernen" und etwas bessere "Habernen". Diese "Tischdeckerln" waren ihr kostbarstes Hab und Gut, sie waren ihre Aussteuer. Dinge, die zwar schön zum Anschauen waren, jedoch niemals wirklich verwendet wurden. Schließlich spielten Männer aus der Nachbarschaft jenen Streich spielten, der sie unsterblich machen sollte. Eine Tages, Viktoria Bachler war gerade nicht zu Hause, steckten ihr die Männer das "Inwändige" einer ausgeweideten Ziege in den Kleiderkasten. Als der nächste Besucher an Reihe der Besichtigung des Kleiderkastens war, stieß Viktoria Bachler einen spitzen Schrei aus.

Zwar konnte nie geklärt werden, wer sich zu dieser Bosheit hinreißen hatte lassen, aber darüber geredet haben alle im Dorf. Und sie Viktoria Bachler fortan in Anspielung auf den Bauch - die Wamme des Kitzes - nur noch liebevoll das "Kitzwampi Viktl".

Und ein Ereignis blieb bis in heutige Tage den Menschen von Rohrmoos im Gedächtnis. Als ihr Mann damals nach dem Butterfass-Missgeschick im Spital war, eilte sie, einer neuerlichen Eingebung folgend, zurück nach Hause. Da sie überzeugt war, dass ihr Anton sterben müsse, lieh sie sich von ihrer Nachbarin eine schwarze Bluse aus. Doch zumindest in diesem Punkt hatte sich das Kitzwampi Viktl geirrt - die beiden Eheleute verbrachten noch viele Jahre gemeinsam.

Anton Bachler hielt das Lächeln in harten Zeiten als Fotograf im Bild fest und sie alterte als Legende von Untertal. Bis zu ihrem Tod lebten sie in einem ehemaligen Soldatenhäuschen in Rohrmoos. Sie wird im Untertal wohl niemals vergessen vergessen und eine Gedenktafel erinnert an sie.

Quelle

  • Robert Preis in der Kleinen Zeitung: Die Geschichten über das Kitzwampi Viktl, Ausgabe vom 15. Februar 2015